Hamburg (fast) umsonst

Nach mehr als drei Jahrzehnten in der Hansestadt nehme ich für mich in Anspruch, ein gelernter Hamburger zu sein. Da es mir Spaß macht, interessante Orte und Spaziergänge ausfindig zu machen, lag die Idee mit den Stadtführungen nahe. Allerdings – zwei Stunden sind in aller Regel genug, danach verlangt die Seele (oder wer oder was auch immer) nach Abwechslung. variatio delectat, sagten dazu die klugen Lateiner. Weiß jedenfalls eine von mir zu Rate gezogene Zitatensammlung.

Deshalb möchte ich Ihnen hier noch einige Anregungen geben, wie Sie Ihr Tagesprogramm in Hamburg noch etwas ergänzen und abrunden können. Und die Vergnügungen sind weitgehend umsonst, oder aber wirklich erschwinglich.

Nein, Restaurant und Aussichtsplattform im Fernsehturm bleiben weiterhin für Normalbürger geschlossen, da ist nichts zu machen. Aber: steigen Sie doch mal in Hamburgs Kirchtürme! Auf den Michel können Sie auch mit dem Fahrstuhl fahren, ebenso auf den Turm der Nikolaikirche. Die Aussicht auf Stadt, Elbe, Hafen und (von der Nikolaikirche) auf die Speicherstadt ist grandios – es lohnt sich! Noch höher übrigens können Sie in den Turm der Jacobikirche steigen. Oder besser klettern: hier gibt es keinen Fahrstuhl, in die Spitze steigen Sie dann wirklich über Leitern. Nicht für jedermann und nicht für jedes Alter geeignet, aber es lohnt sich. Die Aussicht auf das Rathaus, den Rathausmarkt und die Binnenalster - einfach klasse!!

Für Pflanzen- und Technik-Freunde

Großer Beliebtheit erfreut sich der „neue“ Botanische Garten in Klein Flottbek. Ein Mekkaneubotgartpyramid für Pflanzenfreunde und all diejenigen, die gerne inmitten besonderer Pflanzen spazieren oder meditieren. „Mekka“ ist dabei gar nicht so unpassend, da es seit einigen Jahren auch einen sehenswerten Wüstengarten gibt. „Neu“ ist dieser Botanische Garten, weil er erst 1979 seine Pforten öffnete – als Ersatz für die alten Anlagen am Dammtor. Nach drei Jahrzehnten haben die Flottbeker Anlagen inzwischen auch längst ihr früheres Reißbrett-Ambiente abgelegt und sind zu einem richtigen Botanischen Garten geworden.

Am alten Standort in den Wallanlagen befinden sich weiterhin die Schaugewächshäuser Ob mediterran, tropisch,neugewchs subtropisch oder Wüstenklima – Freunde exotischer Flora finden hier, was sie immer schon suchten. Besonders zu empfehlen natürlich bei Hamburger Schmuddelwetter.

Für Technik-Freunde: der Alte Elbtunnel gleich neben den Landungsbrücken entstand 1911, um den Schiffsverkehr auf der Elbe zu den Werften auf der anderen Seite des Stroms zu entlasten. Auch heute noch werden Autos mit dem Fahrstuhl auf die Tunnelebene transportiert. Empfehlung: spazieren Sie (besser noch: radeln Sie) die 448 Meter auf die andere Elbseite nach Steinwerder. Die Aussicht von dort auf die Hafenkante ist superb!

Und noch ein kleiner Sprung über die Landesgrenze

Für manche Leute – und ich gestehe, dass ich in meiner Vor-Hamburg-Zeit auch zu dieser Gruppe gehörte – braucht jede Stadt, die auf sich hält, ein Schloss. Ein absolutes Muss, das sie dem Besucher / Touristen / Flaneur zu bieten hat. Sonst zählt sie einfach nicht. Auf Neupolithochdeutsch: eine Bringschuld. Oder?

Die Hamburger sind ziemlich stolz darauf, keine Untertanen eines Landesfürsten (gewesen) zu sein, und dennoch können sie auch in puncto Schloss mithalten: Bergedorf hat so etwas zu bieten. Heute ist in dem ursprünglich aus dem 13. Jh. stammenden und immer wieder umgebauten Gebäude das Museum für Bergedorf und die Vierlande untergebracht. Wenn aber einem Hamburg-Besucher das Bergedorfer Exemplar zu wenig "Schloss" ist, dann sei ihm ein kurzer Abstecher empfohlen: nach Ahrensburg - über die Landesgrenze, aber noch innerhalb des HVV-Großbereichs. Das leuchtend weiße Renaissance-Schloss, von einem Wassergraben umgeben, war bis 1759 über sieben Generationen im Besitz der Familie Rantzau und gehörte dann bis 1938 der Familie Schimmelmann. Seit 1955 ist es Museum der schleswig-holsteinischen Adelskultur: Porzellan, Mobiliar, Gemälde und Landesgeschichte überhaupt.

Mit dem HVV

Der HVV bringt Sie in aller Regel zügig und bequem von A nach B. Manchmal lohnt es sich aber auch, sich an die Maxime „Der Weg ist das Ziel“ zu halten. Zum Beispiel dann, wenn Sie eine Monats- oder Tageskarte besitzen. Dazu drei Empfehlungen:

Die Fahrt mit der U-Bahn von Rathaus bis Landungsbrücken ist etwas für Hafenfreunde. Und alle anderen Sehleute auch. Sie kommen aus dem Untergrund, die Bahn krächzt sich mühsam auf die Stelzen, die ihr den Namen „Hochbahn“ eingebracht haben – und plötzlich, vom Bahnhof Rödingsmarkt an, haben Sie das eindrucksvollste Hafenpanorama vor sich. Der Ausblick lohnt einen kleinen Umweg allemal.

Eine Stadtrundfahrt praktisch umsonst bekommen Sie, wenn Sie sich mit dem HVV-Bus 112 durch die Innenstadt kutschieren lassen: Los geht’s in Neumühlen am Museumshafen Övelgönne, dann geht es den Geesthang hoch am Altonaer Rathaus vorbei zum Altonaer Bahnhof.

Weitere Stationen: Fischmarkt, St. Pauli Hafenstraße, Landungsbrücken, Millerntor, am Schumacher-Bau Museum für hamburgische Geschichte vorbei und an den Wallanlagen entlang, dann folgen Esplanade, Lombardsbrücke und Hauptbahnhof. Weiter geht es noch durch Hammerbrook bis zur Braunen Brücke an der Billerhuder Insel. Starten kann man natürlich auch sehr gut am Altonaer oder am Hauptbahnhof. Viel Hamburg – und das praktisch umsonst!

Und hier das (dritte) highlight: die HVV-Fähre 62 zwischen Sandtorhöft und Finkenwerder. Wer eine HVV-Tages- oder Monatskarte hat, fährt hier umsonst, ebenso, wer mit einem Niedersachsen-, Schleswig-Holstein- oder Schönes-Wochenende-Ticket nach Hamburg kommt. Sie fahren die gesamte Hamburger und Altonaer Elbkante entlang, können das grüne Elbufer auf der Nord- und die Container am Burchardkai auf der Südseite aus beachtlicher Nähe bestaunen, umfahren die Lotsenstation Finkenwerder (ebenfalls ein Schumacher-Bau) und landen dann am dortigen Anleger. Dort können Sie in die Fähre 64 nach Teufelsbrück umsteigen oder, mindestens ebenso lohnend, nach Sandtorhöft zurückfahren. Man startet am besten an den Landungsbrücken (oder auch am Fischmarkt) in Richtung Sandtorhöft: zur Linken bietet sich das klassische Hafenpanorama mit Hafenkrone, Stintfang, nach vorne der Ausblick auf Elbphilharmonie, HafenCity und (etwas weiter entfernt) Binnenhafen, Deichstraße und Speicherstadt. Mehr Hamburg auf einmal geht eigentlich nicht. Probieren Sie’s aus!

Mit dem Radel:

Wenn auch die Hamburger Innenstadt nicht unbedingt fahrradfreundlich ist (Umwelthauptstadt hin oder her), so gibt es dennoch wunderbare Fahrrad-Strecken für Radler: an der Elbe entlang von der City bis nach Wedel (oder weiter), um die Alster herum oder weiter dem Alsterwanderweg folgend. Ganz wichtig: diese Routen sollte man sich nicht gerade an Feiertagen mit besonders schönem Wetter vornehmen.
Das gibt nur Ärger, für alle Beteiligten.

Hier noch ein Vorschlag, der nicht so ganz alltäglich ist: fahren Sie doch mal über die grüne Seite der Insel Wilhelmsburg bis zur Bunthäuser Spitze. Dort teilt sich der Fluss in Norder- und Süderelbe, das sogen. „Stromspaltungsgebiet“ beginnt (zwischen Finkenwerder und Blankenese kamen die beiden Flussarme ursprünglich wieder zusammen, aber das ist eine komplizierte Geschichte). Starten Sie am besten beim IBA-Dock, dort gibt es hervorragendes Info-Material über die Elbinsel Wilhelmsburg und über die Projekte der Internationalen Bauausstellung IBA 2013, auch Karten, die beim Radeln sehr hilfreich sind. Als Ziel empfiehlt sich der Leuchtturm an der Bunthäuser Spitze, ebenso das Info-Haus Tideauenzentrum der Umweltschutzorganisation GÖP. Freitags und am Wochenende gibt’s da auch Kaffee und Kuchen!

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